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Wettbewerb

Essen

Preisverleihung zum Wettbewerb „Vorbildprojekte der Sozialen Stadt in Nordrhein-Westfalen“

Am 2. Dezember 2019 fand im Rahmen der Festtagung „Heute für Morgen“ zum 20-jährigen Jubiläum des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ die Preisverleihung zum Wettbewerb „Vorbildprojekte der Sozialen Stadt in Nordrhein-Westfalen“ im Erich-Brost-Pavillon auf der Zeche Zollverein in Essen statt.

Ziel des landesweiten Wettbewerbsverfahrens, welches vom Städtenetz Soziale Stadt NRW organisiert wurde, war es, einzigartige, innovative und übertragbare Vorbildprojekte aus den Programmgebieten der Sozialen Stadt sichtbar zu machen. Bis Ende August 2019 konnten sich öffentliche und private Akteure mit Projekten, die bereits sichtbare Ergebnissen aufweisen und nicht älter als fünf Jahre sind, bewerben. Unter allen Einreichungen wählte eine interdisziplinär besetzte Jury am 7. Oktober 2019 fünf Vorbildprojekte aus, welche allesamt auf der Festtagung geehrt und ausgezeichnet wurden. Die Vertreterinnen und Vertreter der jeweiligen Projekte erhielten zudem die Möglichkeit, ihre Projekte auf der Festtagung dem interessierten Publikum vorzustellen. Folgende Einreichungen wurden als Vorbildprojekte der Sozialen Stadt ausgezeichnet:


Projekt "beWiesen!" aus dem Programmgebiet Duisburg-Marxloh

Innerhalb des Kooperationsprojekts „beWiesen“ renovieren Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Schul-AG unter fachkundiger Anleitung einzelne Wohnungen in der Wiesenstraße im Duisburger Stadtteil Marxloh. Die renovierten GEBAG-Wohnungen werden sozialen Projekten kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Projektidee entstand im „AK DU 11“ (Arbeitskreis sozialer Einrichtungen in Marxloh). Mit dem Projekt gehen insbesondere folgende Ziele einher: Erlernen von handwerklichen und sozialen Kompetenzen, Berufsorientierung, Erkennen eigener Fähigkeiten und Interessen, Renovierung von verwohntem Wohnraum für soziale Zwecke, Beseitigung von Wohnungsleerständen, Bewusstseinsbildung bei Nachbarinnen und Nachbarn, Motivation weiterer Eigentümerinnen und Eigentümer, nachhaltige Belebung des Quartiers. Die Anschubfinanzierung erfolgte über den Verfügungsfonds. Perspektivisch soll eine Schülerfirma im Bereich Renovieren gegründet werden, die z. B. für benachteiligte Menschen tätig werden kann. Es laufen Bestrebungen, eine Nachbarschaftsinitiative aufzubauen, die sich für das Quartier engagiert. Das Projekt soll das Engagement von Immobilieneigentümerinnen und Immobilieneigentümern befördern und neue Impulse geben.

Auszug aus der Laudatio:
Das Projekt überzeugt die Jury, denn „beWiesen“ erreicht und begeistert Jugendliche für handwerkliche Aufgaben und zeichnet sich durch den Einbezug vieler Akteure sowie eine intensive Kooperation mit der örtlichen Wohnungswirtschaft aus. Trotz des kleinen Budgets des Projekts werden in einem bestimmten Zeitraum eine hohe Effizienz und ein direkter Nutzen erreicht. Lobenswert ist insbesondere der Nutzen für die Jugendlichen, die zu realisierenden soziale Projekte sowie die umgebende Nachbarschaft. Die Beseitigung von Wohnungsleerständen durch eine Qualifizierungsmaßnahme für Schülerinnen und Schüler wird als innovativer Ansatz gelobt und wird deswegen als ein „Vorbildprojekt der Sozialen Stadt in NRW“ gewürdigt.

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Projekt "Nachbarschaftliches Engagement für Viele am Hörder Neumarkt" aus dem Programmgebiet Dortmund-Hörde

Bewohnerinnen und Bewohner setzten sich aktiv für das Quartier und seinen Imagewandel ein. Sie sorgten dafür, dass der Bereich mit in die Gebietskulisse des Fördergebietes integriert wurde. Die Ziele der Akteure am Neumarkt sind die Verbesserung des Zusammenlebens der Menschen im Quartier, eine gute nachbarschaftliche Atmosphäre trotz aller Unterschiede und die Imageverbesserung des Quartiers. Mit Blick auf den 2012 eingerichteten Hörder Stadtteilfonds (Verfügungsfonds) und andere Finanzierungsquellen gründeten neue und alte Nachbarinnen und Nachbarn 2014 den Verein „Wir am Hörder Neumarkt e. V.“. Gemeinsam werden seitdem zahlreiche Projekte realisiert (u. a. Umnutzung einer alten Gaststätte zum Nachbarschaftswohnzimmer „Haus Rode“, Musikveranstaltungen, Frauen- und Seniorentreff, Kulturprogramm für Kinder, Kurzfilmabend, zahlreiche Feste und Aktionen). Die Möblierung des Platzes wurde über den Stadtteilfonds vorangetrieben (u. a. Bepflanzungen, Spiel- und Bewegungsgeräte, Bänke, Bücherschrank).

Auszug aus der Laudatio:
Die Jury ist sich einig: Dieses klassische Bottom-Up-Projekt erzielt quartiersinterne Impulse, ohne dafür große städtebauliche Projekte zu verwirklichen. Die Bewohnerinnen und Bewohner setzen sich aktiv für die Gestaltung und Qualifizierung ihres Wohnumfelds ein, statt sich nur zu beschweren. Auch mit aktuellen Themen, wie dem Klimawandel, wird konstruktiv und offen umgegangen. Ohne große Investitionen werden gemeinschaftlich und mit der weiteren Bewohnerschaft Hördes beeindruckende Wirkungen erzielt. Vorbildhaft ist insbesondere das gezielte Aktivwerden der direkt betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner als Reaktion auf Problemlagen, die es auch in anderen Gebieten der Sozialen Stadt in NRW häufig gibt.

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Projekt "Bildungs- und Familienzentrum Vielinbusch" aus dem ehem. Programmgebiet Bonn Neu-Tannenbusch

2017 bewarb sich die Unternehmergesellschaft „Vielfalt in Tannenbusch“ um die Trägerschaft des Zentrums Vielinbusch und erhielt den Zuschlag. Die Stadt Bonn ging das Wagnis ein, einem neuen Träger mit unkonventioneller Struktur die Trägerschaft des Bildungs- und Familienzentrums zu überlassen. Die Dachorganisation setzt sich zusammen aus acht verschiedenen Vereinen und (Migrantenselbst-)Organisationen, die im Stadtteil Neu-Tannenbusch aktiv sind und die vorhandene Vielfalt abbilden. Mit breit gefächerten Angeboten stärkt seitdem das Haus Vielinbusch Familien unter Beibehaltung ihrer eigenen Identität für die gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft und das Engagement im Stadtteil. Die Angebote werden von unterschiedlichen im Stadtteil aktiven Trägern angeboten und in verschiedenen Sprachen bzw. mehrsprachig durchgeführt. Durch das Haus Vielinbusch werden die bereits bestehenden engen Kooperationen in Neu-Tannenbusch vertieft und konzeptionell verankert. Das Haus ergänzt so die vorhandenen Angebote des Stadtteils und bietet anderen Trägern an, eigene Angebote zu veranstalten. Die Angebote sind inklusiv, niedrigschwellig und bedarfsgerecht. Wöchentlich nutzen laut Wettbewerbsteilnehmerin ca. 450 Gäste das Bildungs- und Familienzentrum Vielinbusch zum Austausch, zur Information sowie für Bildung und Freizeitgestaltung. Es leistet mit seinen Angeboten und Möglichkeiten einen wichtigen Beitrag für die Quartiersentwicklung im Fördergebiet und wirkt über die Quartiersgrenzen hinaus.

Auszug aus der Laudatio:
Die Jury ist sich einig: Der Mut und Einsatz der acht verschiedenen Vereine und (Migrantenselbst-)Organisationen wurde durch die überaus positive Annahme des Hauses und seiner Angebote durch die Bewohnerschaft Neu-Tannenbuschs belohnt. Die für die Stadt Bonn neuartige Variante der Trägerschaft zeichnet sich durch die Vielfalt und Teilhabe der migrantischen Community aus und ist als vorbildhaft zu bezeichnen. Die Verantwortungsübernahme der Stadt Bonn durch die gleichzeitige Schaffung von mehreren kommunalen Stellen im Haus Vielinbusch ist zudem eine bemerkenswerte und sinnvolle Ergänzung der sonst vereinsgetragenen Aktivitäten.


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Projekt "Sieker Gärten" aus dem Programmgebiet Bielefeld Sieker-Mitte

Der „Garten-Kultur-Verein(t) Sieker e.V.“ wurde 2013 als soziales Projekt anlässlich der Entwicklung des Sieker-Parks in Bielefeld gegründet. Ziel war es, nachbarschaftliche Netzwerke zu stärken und alternative Freizeitangebote ebenso wie Angebote zur Gesundheitsförderung zu schaffen. Seit der Gründung 2013 gärtnerten bereits 71 (teils wechselnde) Familien und eine Gruppe von Studentinnen und Studenten auf 2.500 Quadratmetern Fläche. Aktuell sind zehn verschiedene Nationalitäten im Verein vertreten. Das in den ersten Jahren verfolgte Ziel, inneren Zusammenhalt im Verein herzustellen, ist nun erreicht und die Verstetigung des Projektes und die Loslösung von bisherigen Unterstützungsstrukturen eine wichtige Aufgabe. Die Erfolge des Projektes haben die Erwartungen aller Beteiligten weit übertroffen.

Auszuag aus der Laudatio:
Laut Jury besticht das Projekt durch seine Nähe zur Wohn- und Lebenswelt der beteiligten Gärtnerinnen und Gärtner. Es ist mittlerweile selbsttragend und erzielt trotz der vergleichsweise kleinen Projektgröße eine große Wirkung und Strahlkraft im Stadtteil. Positiv hervorzuheben sind die bisweilen lange Laufzeit und die erzielten Verstetigungsansätze für das Gartenprojekt: Dieser Aspekt spricht für die Identifikation aller Projektverantwortlichen und -beteiligten. Auf vorbildhafte Art wird in diesem Projekt das Gärtnern zum Vehikel für das Aktivwerden und die Bewusstseinsbildung für den eigenen Stadtteil.

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Projekt "Beteiligungsprozess Stadtkrone / Bürgerpark Maria Lindenhof“ aus dem Programmgebiet Dorsten „Wir machen MITte“

In einem breit angelegten Beteiligungsprozess sollte die Umgestaltung von Grünräumen und Plätzen entwickelt werden, um so eine größtmögliche Raumaneignung und Akzeptanz der Planung durch die Bürgerschaft zu erreichen. Der in unterschiedlichen Gremien und offenen Veranstaltungen angelegte, mehrstufige Beteiligungsprozess gliederte sich grundlegend in zwei Phasen: 2017/2018 – Bürgerbeteiligungsprozess „Stadtkrone“; ab 2019 – Bürgerpark Maria Lindenhof. Das Beteiligungsprojekt wurde von der Kuratorin Marion Taube begleitet, welche einen Spielplan mit verschiedenen Veranstaltungen (Bau von Fahrradrikschas, Anlage Essbarer Garten, Erstellung Schriftbild „I´M WITH ARTIST“, Tagesopern, Stummfilmnächte und andere) erarbeitete. In den sogenannten „Sternstunden“ konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Wünsche zur zukünftigen Gestaltung des Parks hinterlassen, womit an die vorhergegangene Auftaktveranstaltung „Strahlen“ angeknüpft wurde. Die Lichtinszenierungen unter dem Titel „Funkeln“ rundeten die Aktionsreihe ab. Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt übernahmen Vor-Ort-Akteure durch die Gründung eines Vereins die Regie und das Kulturprogramm wurde fortgeführt. Ein Parkbürgermeister und der Trägerverein begleiten seitdem die Entwicklung des Parks.

Auszug aus der Laudatio:
Die Jury lobt insbesondere den Aktivierungs- und Beteiligungsprozess im Vorfeld der planerischen und baulichen Arbeiten zur Umgestaltung der Parkanlagen. Dieser stellt eine herausragende und sehr kreative Herangehensweise dar. Die Projektbeteiligten legten einfach los, statt auf direkte Anweisungen und Aufforderungen der Stadtverwaltung zu warten; dieser Einsatz soll belohnt werden. Auch der neue Trägerverein und die innovative Rolle eines Parkbürgermeisters sind vorbildhaft.

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Fotos: Holger Krüssmann